Webnography
Schön wäre es gewesen, wenn jemand in der Anhörung nachgefragt hätte, ob Oettinger auch den Opfern von realweltlichen Einbrüchen, bei denen Privates gestohlen wird, eine Mitschuld zuweisen würde. Oder ob er vielleicht findet, dass junge Frauen, die sich selbst nackt fotografieren, generell immer ein bisschen mitschuldig sind, wenn anschließend ihre Privatsphäre, ihre Würde verletzt wird. Oder, und das hätte dann sogar zu Oettingers selbstgesetztem Auftrag zur Begrenzung der Macht der US-Konzerne gepasst, ob er sich nicht vielleicht für digitale Technologien einsetzen will, die solche Straftaten in Zukunft zumindest unwahrscheinlicher machen.

Und kritisierte das Konkurrenzdenken und den Kult der Produktivität: „Sie verhindern die Integration der Dummköpfe, deren Zahl unvorstellbar groß ist.“

wladimirkaminer:

Der russische Präsident muss sich um alles selbst kümmern. Als wahrer Vater der Nation hat er eine neue Figur für die Fernsehsendung „Gute Nacht, Kinder“ entworfen, für alle Landsleute, die schlecht einschlafen. Das Tigerchen Mur wird ihnen helfen. Mein Freund hat einen zehnjährigen Sohn Boris,…

So viel Geld hat Barta nicht, weshalb er beschloss, in die Öffentlichkeit zu gehen. Hausdurchsuchung und Strafbefehl, glaubt er, seien politisch motiviert und richteten sich gezielt gegen ihn als linken Aktivisten. „Dass der Kamikaze-Kapitalismus aus Hab-Sucht den Planeten gegen die Wand fährt, ist genehmigt“, sagt er. Aber bei der Rehabilitation der seit altersher als Heilmittel bekannten Hanfpflanze gehe es nur „quälend langsam“ vorwärts. Um dagegen ein Zeichen zu setzen und auch aus Solidarität mit sechs chronisch kranken Hungerstreikenden, denen der Hanfanbau untersagt wurde, will Barta die Strafe deshalb nicht bezahlen und lieber ins Gefängnis gehen: „Wohlan, sitze ich ab!“, sagt er. Vierzig Tage müsste Barta ins Gefängnis, wenn er seine Ankündigung wahr macht. Weil die Unterbringung im Gefängnis etwa 85 Euro pro Tag kostet, müsste der Steuerzahler stolze 3400 Euro aufbringen – wegen zwei Hanfpflanzen auf einem Balkon.
US-amerikanische Strafverfolgungsbehörden wollen es nicht hinnehmen, dass Apple und Google Daten auf Mobilgeräten besser schützen wollen. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mehrere anonyme Quellen. Demnach seien sie alarmiert angesichts der Ankündigung von Apple, Behörden könnten sich ab iOS 8 keinen Zugriff mehr auf passwortgeschützte Daten verschaffen – auch wenn Apple Hilfe leisten muss. Einen Tag später hatte Google erklärt, die Verschlüsselung von Daten würde auf Geräten mit dem nächsten Android standardmäßig aktiviert. Mit diesen Schritten wird den Nutzern zwar kein völliger Schutz ihrer Daten versprochen, aber eine Verbesserung ist es allemal. Bislang hätten Behörden konfiszierte iPhones beispielsweise direkt an Apple schicken können, wo die gewünschten Daten extrahiert wurden.
Übertragen Sie dies auf Ihren Cloud-Anbieter: Sie müssen ab sofort davon ausgehen, dass er keines seiner Versprechen in Bezug auf Sicherheit der an ihn gesendeten oder bei ihm gelagerten Daten mehr halten kann. Im Zweifelsfall haben US-Behördern sogar schon jetzt die Schlüssel, um Zugriff auf all diese Daten zu erhalten. Ich bin jetzt sehr gespannt, wie Microsoft, Amazon, Google, Apple & Co darauf reagieren.
Die NSA und das britische GCHQ verfügen ausweislich eigener, als streng geheim eingestufter Unterlagen über verdeckte Zugänge in die Netze der Deutschen Telekom und des Kölner Anbieters Netcologne. Dies geht aus grafischen Ansichten hervor, die mit einem NSA-Programm namens Treasure Map erstellt wurden und die der SPIEGEL einsehen konnte. In dem undatierten Dokument sind die Telekom und Netcologne namentlich aufgeführt und mit einem roten Punkt markiert. In einer Bildlegende heißt es dazu erklärend, die rote Markierung bedeute, dass es “innerhalb” dieser Netze “Zugangspunkte” für die technische Überwachung gebe. Das Treasure-Map-Programm folgt demnach dem Ziel, “das komplette Internet zu kartografieren”. Jenseits der großen Glasfaserkabelverbindungen können die Geheimdienstanalysten in “nahezu Echtzeit” auch wichtige Netzverbindungsstellen wie einzelne Router visualisieren – und sogar Endgeräte wie Rechner, Smartphones und Tablets, sofern sie mit dem Internet verbunden sind. Das Ziel sei, “jedes Gerät, überall, jederzeit” sichtbar zu machen, heißt es in einer Präsentation, die der SPIEGEL veröffentlicht. Das Programm, eine Art Google Earth für das Internet, diene unter anderem der “Planung von Computerattacken” und der “Netzwerkspionage”. NSA und GCHQ wollen sich dazu nicht äußern.
Wieso also ist »feministisches Sprachhandeln« (so heißt der Sammelname der umstrittenen Reförmchen) vielen, nicht nur den üblichen Feuilletonsesselpupsern, so ein Schrecken? Das ist wirklich erklärungsbedürftig – denn die Erregten sind keineswegs wild rebellische Personen, die sich grundsätzlich nichts vorschreiben lassen, sondern die üblichen Deutschen, die noch jede Bahnprivatisierung samt Preiserhöhung, jede Steuer für idiotische Kriege, jede Gesundheitsversorgungsverschlechterung, jede Bespitzelung, jede Bildungskürzung ohne Muckser geschluckt haben. Rauben Staat und Monopole sie aus, dann stehen sie rum, als ob es sie nichts angeht, aber wenn sie nicht mehr so reden dürfen wie bisher, vor allem über Weiber, dann packt sie der Mut.
Blickt man als politisch interessierter Zeitgenosse auf die deutschen Diskussionen in diesem Sommer, kann man nur staunend oder verzweifelnd fragen: Wo leben wir eigentlich? Zum Thema Nummer eins wuchs sich über Tage und Wochen die bayerische Marotte aus, ausländische Autofahrer auf deutschen Straßen und Autobahnen abzukassieren.
Das Vorhaben hat mit der rundum vernünftigen Idee, dass alle jene für Belastungen zahlen sollen, die diese verursachen, gar nichts zu tun. Davon ist seriös nicht die Rede, dafür von allerlei Schein- und Randproblemen, die den Kern – den automobilen Wahnsinn – nicht einmal berühren. Die Bundesregierung plant im Sommerloch ein Gesetz gegen „Sozialmissbrauch“, obwohl Daten dazu fehlen oder – soweit sie vorliegen – diese nur belegen, dass „Sozialmissbrauch“ durch Einwanderer aus dem südöstlichen Europa, die von ihrem Recht auf Freizügigkeit innerhalb der EU Gebrauch machen, statistisch seltener vorkommt als der Missbrauch der Sozialsystem durch Deutsche. Dessen ungeachtet werden Einwanderer aus Südosteuropa pauschal und präventiv unter Generalverdacht gestellt.